Bericht "BMW Offshore Challenge Austria" Oktober 2008

Wir übernehmen unsere Lana, eine Bavaria 35 Match Race, in Biograd am Samstag vor dem Regattastart. Wir, das sind Klaro-Geschäftsführer und Skipper Peter Bahn, Co-Skipper Hans-Martin und die beiden Reinhard(t)s als Crew.

Unter der Flagge unseres Sponsors Klaro Charter geht es auf den Überführungsschlag nach Murter in die ACI-Marina Hramina.  Die BMW-Logos hat der Regatta-Organisator  „Yachtcharter Pitter“ schon am Bug der Lana angebracht und weisen uns als Teilnehmer der „BMW Offshore Challenge Austria 2008“ aus.

Ein weißer Kasten in der Backskiste – direkt an die Motorbatterie angeschlossen – entpuppt sich als Trackingsystem, mit dem es der Wettfahrtleitung, aber auch unseren Familien und Bekannten zu hause möglich sein soll, unseren Kurs über die Internetseite www.bmw-offshore-challenge.at zu verfolgen. Ob das System funktinieren wird?

Wir haben bei der Überführung leichte Bora mit 6 Beaufort und unsere Lana macht uns am Wind sofort klar, dass es diese Bedingungen gar nicht gerne mag. Sie hat trotz zweier Reffs im Groß mächtig Schräglage und ist sehr nervös – das wird sich später in der Regatta noch als Herausforderung erweisen.

In Murter angekommen geht es zur Registrierung bei der Regattaleitung. Wir bekommen unsere Startnummer und natürlich auch die obligatorischen offiziellen Regatta-Edel-Poloshirts. Insgesamt nehmen 62 Boote und über 300 Segler teil. Wir gehören zu den 21 Fahrtenyachten ohne Spinnaker – weiter dabei sind 29 Fahrtenyachten mit Spinnacker, 3 Kats und 9 Dufour 44 Performance in der Einheitsklasse, in der auch der Sponsor mit dem Team „BMW Austria“ mitsegelt.

Am Sonntagmorgen wartet dann ein reichhaltiges Frühstücksbuffet auf uns. Im anschließenden Skipperbriefing geht der Wettkampfleiter noch einmal die Segelanweisungen durch. Er ermahnt alle Skipper angesichts der vor uns liegenden ca. 140 sm nach Dubrovnik „auf den Start wird es nicht ankommen“.

Die Startlinie ist am Leuchtturm Prisnjak. Wir motoren ums Eck, wo im Startgebiet an 3 Verplobombungsbooten die Motoren versiegelt werden. Die Verplombung der Motoren sichert faire Wettkampfbedingungen und erlaubt zusammen mit dem Trackingsystem eine freie Routenwahl ohne Gates.

Bei warmen Herbstwetter und frischen Winden fällt am Sonntag pünktlich um 14:00 der Startschuss und nach Rundung einer Vorlegeboje in Luv liegt schon die erste taktische Entscheidung an: durch die Inseln auf dem kürzesten Weg nach Hvar oder außen an Zirje vorbei. Auf der Basis unserer Wetterinformationen aus dem Vorhersagemodells Aladin ( www.meteo.hr ) entscheiden wir uns für „außen“ und kommen bei raumen Winden gut voran. Schon bald kommt die erste SMS von zu hause – das Trackingsystem funktioniert offenbar bestens und wir werden angefeuert: „weiter so – ihr liegt gut im Rennen“. Bis zu 9,8 kn SOG zeigt das GPS.

In den frühen Morgenstunden des zweiten Tages geht dann bei Hvar fast gar nichts mehr – wir dümpeln in einer Flaute umher. Erst am Montagnachmittag geht es bei leichten Winden mit Korcula an Backbord weiter, aber wir erfahren per SMS, dass die Flaute wohl fast alle Boote getroffen hat.und wir weiterhin gut im Rennen liegen. Am Montagabend droht dann die Servicebatterie schlapp zu machen – strenge Stromrationierung ist angesagt. In einer erneuten Flaute schließen wir in der Einfahrt zum Mljetski Kanal auf das vor uns liegende Boot auf – aber wir müssen um das Erreichen unseres 50h-Zeitlimits fürchten. Zum Glück kommt aber bald wieder eine leichte Brise auf und es entwickelt sich ein spannender nächtlicher Wettstreit darüber, auf welcher Seite des Mljetski-Kanal die Brise um den entscheidenden Knoten stärker ist.

Kurz vor Dubrovnik müssen wir uns entscheiden, außen vorbei oder unter Land? Unser Gegner geht außen vorbei – wir also innen. Wir haben Glück und eine achterliche Brise baut sich wie ein roter Teppich vor uns auf und wir rauschen vor der herrlichen Kulisse von Dubrovnik ca. 2,5h vor Ablauf des Zeitlimits über die Ziellinie, wie sich herausstellt auf dem neunten Platz in unserer Gruppe der Fahrtenyachten ohne Spinnaker nach berechneter Zeit. Von 21 Booten in dieser Gruppe haben es nur 11 im Zeitlimit geschafft – ein schöner Erfolg! – wir haben unser Ziel, Erfahrung zu sammeln und nicht Letzter zu werden, voll erreicht.

In der ACI-Marina von Dubrovnik wartet schon eine Gulaschsuppe und ein frisches Bier auf uns. Es bleibt noch Zeit für Sightseeing in der einzigartigen Altstadt von Dubrovnik -  wo dann auch im würdigen Rahmen der Plaza Luza, dem Hauptplatz der Altstadt, die Klassensieger der ersten Wettfahrt geehrt werden und wo in einer Seitengasse ein Abendessen für alle Regattateilnehmer vorbereitet ist.

Am Mittwochmorgen begrüßt uns die Schlagzeile des Ocean7-Newsletters (www.ocean7.at): „Tolle Regattaorganisation – aber wo bleibt der Wind?“. Wie wahr, der Wettfahrtleitung bleibt nichts anderes übrig, als mit allen Booten im Konvoi dem Wind entgegen zu motoren. Ab und zu regt sich ein Lüftchen, aber die Organisatoren widerstehen der Versuchung, vorschnell die 2. Wettfahrt zurück nach Murter zu starten. So erreichen wir Hvar gegen Mitternacht und übernachten vor Anker.

Am Donnerstagmorgen regt sich immer noch kein Wind und wir motoren weiter bis in die Nähe von Trogir – wo der Start für 13:20 festgelegt wird. Und tatsächlich baut sich jetzt sehr schnell der Wind auf und erreicht bald nach dem Start 5 Beaufort. Das und die sich aufbauende Welle mag unsere Lana aber gar nicht – wir müssen als Einzige reffen und ohnmächtig zuschauen, wie uns fast alle Boote ungerefft davonziehen. Erst in der Nacht zu Freitag zwischen den Inseln vor Murter, bei weniger Wind und ohne Welle kommt unsere Lana wieder in Fahrt und wir können auf das hintere Feld aufschließen und erleben noch eine spannende Zielkreuz. Nach berechneter Zeit bleibt uns nach dem Zieleilauf für die zweite Wettfahrt aber nur der Trost, wiederum nicht Letzter geworden zu sein.

Nach der Siegerehrung im strahlenden Sonnenschein – so wie in der ganzen Woche – und nach dem Abschlussbuffet geht unser Blick aber schon nach vorne – bei der Offshore Challenge Austria 2009 will Peter Bahn wieder antreten und dann wenn möglich mit einer Salona. Wir waren uns alle einig, bei einer toll organisierten Regatta dabei gewesen zu sein, bei der sogar die Familien und Freunde mitfiebern konnten. Interessierte sollten sich die Woche vom 5.10.- 11.10.2009 schon einmal vormerken.

(Text Reinhart Opitz , Bilder Peter Bahn)