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Nach
einem netten Frühstück zu sechst geht’s endlich los.
Spannend spannend. Alle sind oben auf Deck im Cockpit, während
der Skipper seine Anweisungen gibt. Interessant, dass die
Coskipperin immer schon vorher weiß, was zu tun ist. Goofy
auch. Das sind die alten Hasen. Die kennen sich aus. Unsereins
hochmotiviert und einsatzbereit ist noch zu nichts zu gebrauchen.
Aber das nächste Mal weiß ich wenigstens schon, dass vor
der Abfahrt alle Fenster geschlossen und alle
Schranktüren-Druckknöpfe zugedrückt werden müssen.
Die Ventile unter der Spüle müssen umgelegt werden und in
der Toilette auch irgendein Hebel. Um böse Überraschungen
zu vermeiden. Außerdem muß das Rettungsboot, das auch
Dinghi oder Gummigurke heißt, festgemacht sein.
Die
beiden anderen Crew-Mitglieder sind auch an der frischen Luft. Einer
von beiden noch etwas blass und geschwächt vom Abend vorher, ist
auch noch nicht so ganz einsatzbereit. So schauen wir zu, wie da
Leinen und Knoten gelöst und aufgewickelt werden und schön
aufgezurrt zur Aufbewahrung in die praktischen Sitzbank-Kisten auf
Deck verstaut werden. Die dicken Bombel, die zum Schutz um das Boot
herum festgemacht waren, werden abgehängt und zu den Tampen und
Leinen dazugelegt. Das gefällt mir – alles geht sehr
ordentlich zu, alles hat seinen Platz. Mit fällt auf, dass die
Leinen unterschiedliche Farben haben und dass überhaupt jede
Menge davon vorhanden sind. Und wenn man da noch näher
hinschaut, sieht man erst, durch wie viele Ösen und Winden die
gezogen sind. Naja, ich muß ja hier keine Seglerprüfung
ablegen, ich will ja lediglich Wind, Sonne, Meer und Ruhe
genießen.....
Jetzt ist alles anscheinend so weit getan – Skipper steht am
Riesen-Lenkrad, wir anderen sitzen um ihn herum auf den Sitzbänken
und schauen zu, wie das Boot langsam unter Motor aus dem Hafenbecken
heraustuckert. Jetzt sehe ich auch die anderen Boote. Lustig, wie
sich die Softlab-Flotte auf das offene Meer zubewegt. Ich fühle
mich wie ein alter Seemann und schnuppere die feuchte salzige Luft.
Alle
dürfen jetzt nacheinander an dieses Riesen-Lenkrad. Es heißt
übrigens RUDER und der, der am Ruder steht, der sogenannte
RUDERGÄNGER, hat das Kommando über das Boot. Ein schönes
Gefühl ist das, Herr über Wellen und Meer zu sein. Beim
ersten Üben unter Motor mit ca. 6 Knoten
Fahrt ist das ja noch ganz gemütlich. Da kann man erste
Erfahrungen machen mit dem Zusammenspiel von Ruder
und Kiel. Mal links rum, mal rechts rum. Einmal nach Backbord einmal
nach Steuerbord. Schöne Kreise fahren kann man da, allerdings
alles ohne Kupplung und Bremspedal. Hier ist nichts asphaltiert, hier
gibt’s keine Mittellinie und keine Leitplanken. Viel Gefühl
ist hier gefragt! Mit viel Gefühl und minimalen Ruderbewegungen
kann man so aber ganz gut den vorgegebenen Kurs halten. Aber auch
dies fordert einem Neuling die ganze Konzentration ab.
Aber
irgendwann weicht so langsam die Anspannung des Rudergängers.
Die Gesichtszüge sind nicht mehr ganz so gestresst und er kann
sich auch wieder an den lustigen Gesprächen beteiligen. Alle
sitzen wir ausgelassen und fidel beieinander, alle sind wieder fit
wie ein Seglerschuh. Es wird übrigens viel gelacht –
unbelastet und unbeschwert, es wirkt echt und entspannt. So langsam
kennt man sich ein bisschen, traut sich, sich zu öffnen, ein
wenig oder schon mehr, weg vom Smalltalk, von den Witzchen, vom
Fachsimpeln. Die Gespräche werden persönlicher.
Wir bleiben noch unter Motor – kein noch so
laues Lüftchen in Sicht. Beste Gelegenheit, ein paar Knoten zu
lernen. Beste Voraussetzungen für den Neuling, an einen alten
Hasen zu geraten, der über jede Menge Geduld verfügt und
darüber hinaus noch mit einer weiteren Fähigkeit brilliert:
er infiziert den Neuling mit seiner Begeisterung und Freude an allem,
was mit dem Segeln zu tun hat. Goofy weiß alles, zeigt alles
und erklärt alles. Ich bin noch nie mit soviel Freude und
Begeisterung abgefragt worden und ich hätte nie gedacht, dass
ich freiwillig so gerne an meinen Knoten und an Perfektion übe.
Gegen
Mittag gibt’s Bier in Dosen. Das 12-Uhr-Bier. Aber bevor der
erste Schluck die trockene Kehle passieren darf, passiert ganz was
anderes: Eindringlich und mit lauter Stimme beschwört der
Skipper
RASSMUS, die alte Rübensau,
endlich gescheiten Wind zu schicken und kippt in großem Bogen
den ersten kostbaren Schluck in den riesigen Meeresrachen...
Rassmus
ist wohlgesonnen - Wind kommt auf und damit ist es mit dem ruhigen
Dahintuckeln aus. Das schaukelnde Boot setzt uns, den Neuling und die
beiden schon etwas Erfahrenen, außer Gefecht und bringt uns
somit in die Horizontale. Blass und mit je 5 Globuli unter der Zunge
starren wir gebannt an den Horizont bzw. mit geschlossenen Augen gen
Himmel. Jeder der drei enthält sich dem unterhaltenden Teil,
jeder ist mit sich selbst beschäftigt. Wir bekommen gar nicht so
mit, wie die alten Hasen die Segel setzen und dabei an Stricken
ziehen und zerren und diese um eine Vorrichtung herumwickeln. Ehrlich
gesagt, ist mir das jetzt alles egal. Ich will jetzt bloß meine
Ruhe haben.
Gegen
späteren Nachmittag lichtet sich das flaue Gefühl, die
Farbe kehrt in die Gesichter zurück, die mitteilsamen Zungen
lockern und entspannen sich zum lockeren Gespräch. Und außerdem
ist die Anlegebucht in Sicht. Die Aussicht auf ein baldiges leckeres
Essen beflügelt geradezu.
Beim
Kochen dann fallen erste kleinere despotische Anweisungen. Aha, die
Ehepartner sind als erste wieder im normalen Miteinandertalk. Kleine
Sticheleien schießen zurück – sich behaupten, sich
nicht klein kriegen lassen – der ganz normale Alltag der
Ehepaare - aber alles noch ganz nett und freundlich gehalten.
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