Softlab Segeltörn 2004 - Kykladen::

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Donnerstag: Regattatag

Gleich nach dem Ausfahren aus dem Hafen von Syros beginnt sie. Die Regatta. Man merkt es an der Stimmung auf Deck. Langsam doch stetig wächst die Spannung. Konzentriert steht jeder an seinem Platz. Konzentriert hält jeder die Nase in den Wind. Nicht gerade üppig, was hier geboten wird, doch – Skipper leckt die Unterlippe – wir probieren es!

Und dann kommen auch schon die Kommandos. Kurz und knackig ruft er sie uns zu und widerspruchslos und eifrig setzen wir sie in die Tat um: „Lose auf die Reffleine geben” – „Nachfieren und Unterliekstrecker dicht holen” – „Nimm’ die Winschkurbel” – und etwas spöttisch - „die hat auch einen Frauengang” – „Großschot dicht holen” und mein netter Mentor flüstert: „damit der Baum nicht schlägt” – „Anluven” – „Abfallen” - „über die Fock” – „klar zur Wende” – „Ruder backbord” – „klar zur Halse” - „Ree” - „auffieren”

Aber es nützt alles nichts. Rassmus lässt uns schnöde im Stich. Gerade heute. Das 12-Uhr-Bier kann er sich abschminken. Rings um uns herum ist Flaute. Kein noch so feiner Windhauch ist zu spüren. Unser Blick sucht die anderen – wie geht’s denn denen? Aha, auch nicht besser. Die dümpeln genauso vor sich hin.

Etwas entspannter sitzen wir im Cockpit und geben unsere schlauen Kommentare ab. „Kommt da jetzt nicht ein Lüftchen auf?” „Ach, das tangiert doch nur peripher. Ist doch nur ein Huster”. Gebannter Blick auf’s Wasser „wir stehen doch”. Gebannter Blick zu den anderen Booten – „die haben auch keinen Wind” - mein Blick hängt gebannt an Skipper’s Unterlippe. Das schaut ziemlich vielversprechend aus.....

Ziemlich gelöst stand er ja bis jetzt auf seinem Niedergang-Lieblings-plätzchen, jetzt aber ist er mit einem Satz oben auf Deck. Er scheint was erspäht zu haben. In aufgeregter, vorgebeugter Haltung hält er etwas fest im Blick. „Die haben ausgebaumt!” ruft er – meint er das Boot da hinten ? Und schon wettert er weiter: „das geht nicht, das sind unfaire Mittel; das geht nicht – die werden disqualifiziert – das können die nicht machen”.

Alle Blicke bündeln sich zum ausgebaumten Boot hin – und schon hagelt es Kommentare „der fährt doch Schmetterling, nee, die haben nicht ausgebaumt – der fährt Schmetterling!”

Wer ist das? Könnt Ihr sehen, wer das ist?” „Ich kann nichts erkennen”. „Ist das die AEOLINA? Wenn das die AEOLINA ist, dann steht bestimmt Hubert am Steuer – Hubert? Ja, der hat doch so ein ruhiges Händchen.”

Skipper hört gar nicht zu – durch’s Fernglas hat er’s bereits erkannt: „Das ist nicht die AEOLINA – das ist die ANONYMUS!” Und schon steht er am Funkgerät. „Kann es sein, dass Ihr ausgebaumt habt?” Vorsichtig wird formuliert: „Nein, wir haben nicht ausgebaumt.” „Kann es sein, dass Ihr mit Tricks arbeitet?” Spontanes Lachen, doch die ANONYMUS verrät nichts – „wir haben jedenfalls nicht ausgebaumt. Ende Over”.

Skipper ist sichtlich stolz über die Schlauheit seiner Crews: „die haben den gleichen Trick angewandt wie wir auch” – und mit kleiner Schadenfreude: „hat denen aber auch nichts gebracht”.

Sollen wir weiterhin auf Wind warten oder wird die Regatta abgebrochen? Eines habe ich hier auch gelernt: es wird nichts alleine entschieden – und – haben wir nicht Funk an Bord? Nach mühsamen Stunden der so spannend begonnenen Regatta wird nun einhellig beschlossen, diese pünktlich um 17.00 Uhr abzubrechen.

Während der Skipper die Positionen der einzelnen Boote notiert, folgen wir bereits den Anweisungen der Coskipperin. Motor an und volle Fahrt voraus nach Hause. Alle sind wieder hochmotiviert – es geht heim zum Kochtopf, wir haben Hunger.

Es ist schon dunkel, als wir endlich müde vereint um den Tisch sitzen und uns das Essen schmecken lassen. Viel gesprochen wird nicht. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Da knackst das Funkgerät und wir hören mit dem Kauen auf: „ANONYMUS ruft VASSILIOS – Andreas ist nicht da, habt Ihr ihn gesehen? Ende- Over”.

Wir kauen nicht weiter – wir spitzen unsere Ohren: „Andreas ist nicht bei uns – Ende-Over” und übers nächtliche glucksende Wasser schreit eine kräftige Frauenstimme: „A n d r e a s, Essen ist fertig!”

Nach einer kleinen Weile kündigen die Motorengeräusche eines sich nähernden Dinghis Andreas Heimkehr an.

Ach, wie gut’s uns doch wieder schmeckt!!


 

 
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