|
Gleich
nach dem Ausfahren aus dem Hafen von Syros beginnt sie. Die Regatta.
Man merkt es an der Stimmung auf Deck. Langsam doch stetig wächst
die Spannung. Konzentriert steht jeder an seinem Platz. Konzentriert
hält jeder die Nase in den Wind. Nicht gerade üppig, was
hier geboten wird, doch – Skipper leckt die Unterlippe –
wir probieren es!
Und
dann kommen auch schon die Kommandos. Kurz und knackig ruft er sie
uns zu und widerspruchslos und eifrig setzen wir sie in die Tat um:
„Lose
auf die Reffleine geben” – „Nachfieren und
Unterliekstrecker dicht holen” – „Nimm’ die
Winschkurbel” – und etwas spöttisch - „die hat
auch einen Frauengang” – „Großschot dicht
holen” und mein netter Mentor flüstert: „damit der
Baum nicht schlägt” – „Anluven” –
„Abfallen” - „über die Fock” –
„klar zur Wende” – „Ruder backbord” –
„klar zur Halse” - „Ree” - „auffieren”
Aber
es nützt alles nichts. Rassmus lässt uns schnöde im
Stich. Gerade heute. Das 12-Uhr-Bier kann er sich abschminken. Rings
um uns herum ist Flaute. Kein noch so feiner Windhauch ist zu spüren.
Unser Blick sucht die anderen – wie geht’s denn denen?
Aha, auch nicht besser. Die dümpeln genauso vor sich hin.
Etwas
entspannter sitzen wir im Cockpit und geben unsere schlauen
Kommentare ab. „Kommt da jetzt nicht ein Lüftchen auf?”
„Ach, das tangiert doch nur peripher. Ist doch nur ein Huster”.
Gebannter Blick auf’s Wasser „wir stehen doch”.
Gebannter Blick zu den anderen Booten – „die haben auch
keinen Wind” - mein Blick hängt gebannt an Skipper’s
Unterlippe. Das schaut ziemlich vielversprechend aus.....
Ziemlich
gelöst stand er ja bis jetzt auf seinem
Niedergang-Lieblings-plätzchen, jetzt aber ist er mit einem Satz
oben auf Deck. Er scheint was erspäht zu haben. In aufgeregter,
vorgebeugter Haltung hält er etwas fest im Blick. „Die
haben ausgebaumt!” ruft er – meint er das Boot da hinten
? Und schon wettert er weiter: „das geht nicht, das sind
unfaire Mittel; das geht nicht – die werden disqualifiziert –
das können die nicht machen”.
Alle
Blicke bündeln sich zum ausgebaumten Boot hin – und schon
hagelt es Kommentare „der fährt doch Schmetterling, nee,
die haben nicht ausgebaumt – der fährt Schmetterling!”
„Wer
ist das? Könnt Ihr sehen, wer das ist?” „Ich kann
nichts erkennen”. „Ist das die AEOLINA? Wenn das die
AEOLINA ist, dann steht bestimmt Hubert am Steuer – Hubert?
Ja, der hat doch so ein ruhiges Händchen.”
Skipper
hört gar nicht zu – durch’s Fernglas hat er’s
bereits erkannt: „Das ist nicht die AEOLINA – das ist die
ANONYMUS!” Und schon steht er am Funkgerät. „Kann
es sein, dass Ihr ausgebaumt habt?” Vorsichtig wird
formuliert: „Nein, wir haben nicht ausgebaumt.”
„Kann es sein, dass Ihr mit Tricks arbeitet?” Spontanes
Lachen, doch die ANONYMUS verrät nichts – „wir haben
jedenfalls nicht ausgebaumt. Ende Over”.
Skipper
ist sichtlich stolz über die Schlauheit seiner Crews: „die
haben den gleichen Trick angewandt wie wir auch” – und
mit kleiner Schadenfreude: „hat denen aber auch nichts
gebracht”.
Sollen
wir weiterhin auf Wind warten oder wird die Regatta abgebrochen?
Eines habe ich hier auch gelernt: es wird nichts alleine entschieden
– und – haben wir nicht Funk an Bord? Nach mühsamen
Stunden der so spannend begonnenen Regatta wird nun einhellig
beschlossen, diese pünktlich um 17.00 Uhr abzubrechen.
Während
der Skipper die Positionen der einzelnen Boote notiert, folgen wir
bereits den Anweisungen der Coskipperin. Motor an und volle Fahrt
voraus nach Hause. Alle sind wieder hochmotiviert – es geht
heim zum Kochtopf, wir haben Hunger.
Es
ist schon dunkel, als wir endlich müde vereint um den Tisch
sitzen und uns das Essen schmecken lassen. Viel gesprochen wird
nicht. Jeder hängt seinen Gedanken nach. Da knackst das
Funkgerät und wir hören mit dem Kauen auf: „ANONYMUS
ruft VASSILIOS – Andreas ist nicht da, habt Ihr ihn gesehen?
Ende- Over”.
Wir
kauen nicht weiter – wir spitzen unsere Ohren: „Andreas
ist nicht bei uns – Ende-Over” und übers nächtliche
glucksende Wasser schreit eine kräftige Frauenstimme: „A n d r e a s, Essen ist fertig!”
Nach
einer kleinen Weile kündigen die Motorengeräusche eines
sich nähernden Dinghis Andreas Heimkehr an.
Ach,
wie gut’s uns doch wieder schmeckt!!
|