Segeltörn 2003 - Türkei (14. - 21. Juni 03)
Crew 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag 7. Tag 8. Tag Sprüche und Zitate
 
6. Tag: Donnerstag (19. Juni 03)
 
Logbuch
Keine Fahrt. Ankern in Maden Iskele
Wetter: sonnig und warm, wie an den Vortagen
 

Bericht
Heute bleiben die Boote in der Bucht vor Anker und es wird nicht gesegelt. Elf von sechzehn Seglern machen nach dem Frühstück einen Ausflug. Ein Besuch der Ruinenstadt Kaunos und der Felsengräber von Dalyan wird in Aussicht gestellt. Familie Bahn, Siegi und Hans-Martin wollen den Tag mit Schwimmen, Relaxen, Dingi-Fahren und Klettern (dabei holt sich Siegi eine ordentliche Schramme am Oberschenkel) verbringen.

Um 10 Uhr legt ein kleines türkisches Ausflugsboot längsseits der „Tico Tico“ an, um uns zur Besichtigung abzuholen.

Für 10 Euro tuckern vorbei am Schildkrötenstrand und durch einen riesigen, grünen Schilfgürtel zur Anlegestelle der antiken Stadt Kaunos. Sehr eindrucksvoll, fast urwaldartig, hier mündet ein Fluß ins Meer und das Delta ist eine gigantische Schilflandschaft. Mit mehr Zeit hätte man den Fluss weiter aufwärts bis zu einem Süßwassersee fahren können. Im Schilflabyrinth Fischsperren. Mit ihnen werden Meeräsche und Meerwolf, die zur Laichzeit in den See hinaufziehen auf dem Rückweg zum Meer gefangen.

Kaunos: Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir die übrig gebliebenen Steinhaufen der antiken lykischen Stadt. Gut erhalten ist das Amphitheater, eine kleine Kapelle, Vorratsräume und die etwas höher gelegenen Befestigungsmauern, von wo man einen hervorragenden Blick auf einen kleinen See, das Flussdelta mit dem Schilfgürtel, den Schildkrötenstrand und dem dahinter liegenden dunkelblauen Meer hat. Nach 1 ½ Stunden Besichtigung kehren wir aufs Ausflugsboot zurück und fahren weiter durch den sattgrünen Schilfgürtel zu den Felsengräbern (man darf sie nur vom Boot aus sehen) in der Nähe der kleinen Stadt Dalyan.

Wir machen am Restaurant des Neffen unseres Bootsführers fest (so ist das hier und wir haben auf dem Boot schon darüber gewitzelt) und gehen an Land. Dalyan ist ein Touristenort, in dem auch Türken selbst Urlaub machen. Ein kleines, recht hübsches Städtchen mit einer Moschee im Mittelpunkt, nicht zu stark verbaut, mit jeder Menge Restaurants, um die hungrigen Touristenmäuler zu stopfen.

Zwei Stunden machen wir hier Halt und können in der Stadt bummeln. Wir kaufen ein bisschen Wein und Brot fürs Boot und ein paar Mitbringsel ein (Arnold, das mit dem Handeln müssen wir noch Üben) und nehmen dann im Restaurant am Hafen (natürlich des Neffen) einen kleinen türkischen Imbiss ein. Der Ober, der am Buffet unsere Bestellung entgegennimmt, hat leichte Probleme mit unseren Vornamen und so wird aus Sigrid „Pink“ aus Ingrid „England“ und aus Hans „John“, was später zu „Little John“ mutiert. Nach dem Essen machen wir uns auf den Rückweg zu unserer Bucht, denn alle sehnen sich nach Baden…

Welch eine schöne Überraschung, Biggi hat Apfelkuchen gebacken. Und nach einem erfrischenden Bad gibt es erst einmal Cappuccino und Kuchen. Auch die Crew der „Blue Horizon“ kommt in diesen Genuss, aber unter folgender, von Hans-Martin ausgehandelter, Bedingung: „Wir bekommen unsere Pumpgun zurück und Ihr dürft uns nicht mit den Waffen beschießen, die derzeit bei uns auf dem Boot sind.“ (Sie wissen ja nicht, dass Siegi Ihnen einen Teil ihres Waffenbestandes in einer dunklen Nacht entwendet hat...das kommt davon, wenn man seine Bestände nicht mehr überprüft…) Man wird sich handelseinig und still und vermeintlich heimlich werden auf beiden Booten die Handtücher eingeholt, die Luken dicht und die Waffen einsatzfähig gemacht…

Dann beginnt sie, die große lykische Seeschlacht von Maden Iskele:

Lange erwartet und durch kleine Scharmützel vorbereitet, entfesselt sich um 18.30 Uhr die Lykische Seeschlacht. In einer Dauer von einer halben Stunde wird gekämpft, Boot gegen Boot, Mann/Frau gegen Mann/Frau. Befüllt wird alles, mit dem man Wasser spritzen, schütten oder pumpen kann. Die Waffen sind somit Wasserpistolen, Bilge, Pützen, Wasserbomben und bloße Hände. Gekämpft wird vom Boot aus, schwimmend, vom Dingi aus. Gegenseitig werden die Boote geentert, um Waffen zu erbeuten. Gefangene werden an das Dingi gefesselt, Menschen über Bord geworfen, Dingis umgestürzt…das Salzwasser spritzt nur so (Das ist die beste Möglichkeit die Boote zu reinigen). Allen macht es riesig Spaß, obwohl schon die Augen vom Salzwasser tränen und es etliche blaue Flecken gibt. Abbruch der Kämpfe bei den ersten leichteren Verletzungen: Als Skipper Peter einen blutigen Streifen am Rücken davonträgt, gebietet Biggi der Schlacht Einhalt. Man einigt sich auf ein Unentschieden…(wer war das?) und zudem soll im Restaurant Versöhnung gefeiert werden...

Am Abend gegen 19.30 Uhr setzen wir mit den Dingis über zum Anlegesteg des Restaurants, das über der Bucht thront. Bild 636 Der Tag soll schön ausklingen. (Endlich Fleisch/Fisch für Peter). Wir haben wirklich ein exzellentes Fleckchen ausgewählt und nehmen an einer langen Tafel unter freiem Himmel Platz. Es werden uns ausgezeichnete mediterrane kalte Vorspeisen (ca. 20 verschiedene Teller mit Sardelle, Tintenfisch, Thunfisch, Zaziki, Hühnchen, Fisch, auf verschiedene Art zubereitet) serviert.

Zum Hauptgang kommt der Fischwagen. Die zur Auswahl stehenden Fische werden präsentiert. Alle möglichen Arten und Größen, Fischspieße drapiert.

Alles auf verschiedene Art zubereitbar. Natürlich stehen auch Fleischgerichte zur Auswahl. Köstliche Nachspeisen, wie Creme Caramel, Kuchen, Tiramisu und Nussküchlein, die zu diversen netten Sprüchen anregen, werden als Abschluss kredenzt. Dazu gibt es türkischen Mokka. Als Highlight zu später Stunde wird das Licht gelöscht, Musik ertönt und die Ober fahren beleuchtete, blumengeschmückte Gläserpyramiden an die Tische. Das Restaurant verwöhnt seine Gäste noch mit frischen Melonenschnitten.

Nach diesem kulinarischen Genuss schippern wir gegen 23.00 Uhr zu den Yachten zurück und feiern an Bord noch ein bisschen weiter…

 
Lykien (nach Brockhaus)
Antike Landschaft in SW-Kleinasien, zwischen Karien und Pamphylien, bewohnt von den Lykiern oder Tremilen, wie sie sich selbst nannten. Um 540 v. Chr. wurde Lykien von den Persern erobert; im 5. Jht. schlossen sich die lykischen Städte dem 1. Attischen Seebund an. In hellenistischer Zeit gehörte Lykien zum Seleukidenreich, später zu Rhodos, bis die Römer 168 v. Chr. das Land für frei erklärten. 43 n. Chr. wurde es römische Provinz.
 
Kaunos
Die Ruinen von Kaunos sind noch nicht vollständig freigelegt. Kaunos war eine Hafenstadt, die mit Trockenfisch, Salz, Harz und Sklaven handelte, durch die Schlammablagerungen des Flusses Dalyan aber allmählich den Zugang zum Meer und damit auch seine Bedeutung verlor. Sehenswert sind vor allem die mit kunstvollen Fassaden ausgestatteten Felsengräber (4. Jhd. v. Chr.). Von dort oben überblickt man die wundervolle Flusslandschaft mit dem Dirf Dalyanköy.
Kaunos ist eine karische Siedlung. Blick vom Akropolis-Hügel auf Schilfgürtel mit silberglän-zenden Flusswindungen, Totenstadt, 4. Jhd. v. Chr., geschmückt mit ionischen Tempelfas-saden oder einfachen Steinplatten.